Als ich Der Dschinn deines Herzens schrieb und kurz darauf veröffentlichte, kannte ich den Begriff „Healing Fiction“ noch nicht. Ich wusste nur: Ich wollte eine Geschichte erzählen, die ich selbst gerne gelesen hätte. Eine Geschichte, die nicht belehrt, sondern begleitet. Die nicht noch mehr Druck macht, sondern einen Raum zum Durchatmen schafft. Und dann passierte etwas Verrücktes.
Gestern stolperte ich über einen WDR-Podcast über ein Genre namens „Healing Fiction“ – Bücher aus Japan und Südkorea, die gerade auch Deutschland erobern. Bücher mit magischem Realismus. Mit Protagonisten, die sich auf die Suche nach sich selbst machen. Mit gemütlichen Orten wie Cafés und Buchläden. Mit… Katzen.
Ich saß da mit meinem Laptop in Mexiko und dachte: „Moment mal. Das bin ja ich.“ Alle Elemente, ohne es zu wissen
Lass mich dir erzählen, was in meinem Buch vorkommt:
Ein Flaschengeist als Mentor (magischer Realismus – check!)
Eine Katze, die als Metapher für Lauras Nachbarn dient (Katze – check!)
Ein gemütliches Wohnzimmer, ein Park, ein Café, eine Buchhandlung als zentrale Orte (gemütliche Settings – check!)
Eine Protagonistin mit gebrochenem Herzen auf der Suche nach sich selbst (emotionale Reise – check!)
Kein Action-Plot, sondern innere Transformation (Fokus auf emotionale Heilung – check!)
Ich habe intuitiv alle Genre-Merkmale genutzt, weil die Geschichte genau das brauchte. Die Katze musste mit rein. Die magischen Elemente fühlten sich richtig an. Und die ruhigen Momente an gemütlichen Orten – genau das wollte ich erschaffen: einen Raum zum Durchatmen.
Falls du dich jetzt fragst, wovon ich überhaupt rede: Healing Fiction ist ein Genre, das ursprünglich aus Japan und Südkorea kommt und dort Millionen von Büchern verkauft. Die Grundidee: Literatur als Heilmittel für die Seele.
Die Merkmale:
Der WDR-Podcast beschrieb es so: „In einer Welt, die so schnell ist und in der so viel auf jeden Menschen einprasselt, ist ein Buch, das einen langsam an die Hand nimmt und einen nicht noch dazu aufregt, genau das Richtige.“
Genau das wollte ich schreiben. Ohne zu wissen, dass es dafür einen Namen gibt.
Und dann wurde mir noch etwas klar: Das ist nicht neu für mich. Auch Influencer wider Willen war schon Healing Fiction, auch wenn ich es nicht so genannt habe. Eine Geschichte über Authentizität, über den Mut, man selbst zu sein, und über die Suche nach dem wahren Ich hinter den Masken. Die emotionale Reise der Protagonistin stand im Mittelpunkt – nicht die Instagram-Influencer-Welt drum herum.
Und mein nächstes Projekt? „Das Tagebuch der zweiten Chancen“ (Arbeitstitel) – eine 47-jährige Frau, die in ihren 17-jährigen Körper zurückreist. Wieder: magischer Realismus, emotionale Heilung, Vergangenheitsbewältigung, die Frage nach dem eigenen Lebensweg.
Rückblickend verbindet alle meine Romane derselbe Kern: Geschichten über Menschen, die sich auf den Weg zu sich selbst machen und alte innere Verletzungen heilen. Das ist offenbar meine literarische Heimat. Ich habe sie nur noch nicht beim Namen gekannt.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 431 Fehltage je 100 Versicherte bei Frauen wegen psychischer Erkrankungen (DAK-Psychreport 2025) – 60 Prozent mehr als bei Männern. 21,9 Prozent der Befragten mit depressiver Symptomatik (Robert Koch-Institut). Wir sind erschöpft. Vom ständigen Funktionieren-Müssen. Von den sozialen Vergleichen. Von der Erwartung, immer stärker, besser, optimierter zu sein.
Und genau deshalb greifen Menschen zu Büchern, die nicht noch mehr von ihnen fordern, sondern sie einfach nur sanft begleiten. So schrieb auch eine Leserin über „Der Dschinn deines Herzens“: „Beim Lesen hat man das Gefühl, liebevoll an die Hand genommen zu werden und den Weg zur Selbstliebe gezeigt zu bekommen.“
Und noch eine Erkenntnis: Healing Fiction sind oft keine Bestseller, sie sind Longseller. Sie werden langsam angenommen, dann kontinuierlich weiterempfohlen und verkaufen sich über Jahre hinweg gut. Nicht der große Hype, sondern die stille, beständige Wirkung.
Hier ist, was mich an dieser ganzen Geschichte am meisten fasziniert: Ich habe den Zeitgeist getroffen, ohne es zu planen. Ich habe nicht recherchiert, was gerade trendy ist. Ich habe keine Marktanalyse gemacht. Ich habe nicht geschaut, was sich gut verkauft. Ich habe einfach die Geschichte geschrieben, die in mir war. Die Geschichte, die ich gebraucht hätte, als ich selbst auf meinem Heilungsweg war.
Und genau das scheint die Magie zu sein. Wenn du aus einem tiefen, ehrlichen Ort in dir selbst schreibst – wenn du schreibst, was du wirklich fühlen und sagen willst – dann triffst du automatisch andere Menschen, die das Gleiche brauchen. Weil wir alle durch ähnliche Dinge gehen. Weil die Themen, die dich beschäftigen, auch andere beschäftigen.
Deine Intuition weiß oft mehr als dein analytischer Verstand. Hätte ich bewusst versucht, ein „Healing Fiction Buch“ zu schreiben, wäre es wahrscheinlich verkrampft geworden. Aber weil ich einfach der Geschichte gefolgt bin – der Katze, die auftauchte, dem Dschinn, der sich anfühlte wie genau die richtige Metapher, den gemütlichen Momenten, die mir wichtig waren – ist etwas entstanden, das authentisch ist. Und Authentizität spüren die Menschen.
Während internationale Bestseller wie „Die Mitternachtsbibliothek“ von Matt Haig den Weg für Healing Fiction geebnet haben, sehe ich jetzt, dass auch ich Teil dieser Bewegung bin. Nicht weil ich es geplant hätte, sondern weil es das ist, was ich zu geben habe. Geschichten, die heilen. Geschichten, die Hoffnung geben. Geschichten, die einen nicht noch mehr stressen, sondern einen Moment der Ruhe schenken. „Literatur, die die Seele streichelt“ – so hat es jemand genannt. Und genau das ist es, was unsere Zeit gerade so dringend braucht.
Vielleicht schreibst du nicht. Vielleicht ist dein Medium ein anderes. Aber ich bin überzeugt: Wir alle haben etwas, das wir geben können. Etwas, das aus unserem tiefsten Inneren kommt. Und wenn wir dem folgen – wenn wir nicht versuchen, zu berechnen, was „ankommt“, sondern einfach das teilen, was echt ist – dann treffen wir genau die Menschen, die es brauchen. Das ist keine Esoterik. Das ist einfach menschlich. Wir alle sehnen uns nach Echtheit. Nach Geschichten, die uns zeigen: Du bist nicht allein. Nach Momenten, die uns erinnern: Es ist okay, verletzlich zu sein. Nach Räumen, wo wir durchatmen dürfen.
In gewisser Weise schreibe ich in jedem meiner Bücher über verschiedene Versionen meiner selbst. Laura im Dschinn-Buch ist eine davon. Die Version von mir, die jahrelang gelitten hat, nicht gut genug zu sein. Die Version, die durch Mobbing gegangen ist. Die Version, die den Kreislauf durchbrechen wollte. Und vielleicht ist genau das der Punkt: Wenn du über dich selbst schreibst – über deine Kämpfe, deine Heilung, deine Wahrheit – schreibst du automatisch über viele andere auch.
„Der Dschinn deines Herzens“ hat seit September über 60 Rezensionen mit durchschnittlich 4,7 Sternen bekommen. Leserinnen schreiben, dass es „genau zur richtigen Zeit“ kam. Dass es sie „berührt“ hat. Dass es ihnen „Hoffnung“ gegeben hat. Und jetzt weiß ich: Das liegt nicht daran, dass ich so clever war. Das liegt daran, dass ich ehrlich war. Dass ich eine Geschichte geschrieben habe, die aus meinem Herzen kam. Und dass diese Geschichte genau zur richtigen Zeit bei den richtigen Menschen ankommt. Das ist die Magie von Healing Fiction. Und vielleicht die Magie von allem, was wir aus einem echten Ort in uns heraus erschaffen.
Was sind deine Erfahrungen mit Büchern, die heilen? Hast du schon mal ein Buch gelesen, das genau zur richtigen Zeit kam? Ich würde mich freuen, in den Kommentaren von dir zu hören.